INTERNATIONAL CERAMICS
EXHIBITIONS

   #City of Ceramics #Keramik #Kunst
Leonie Mir, Verein zur Förderung Europäischer Keramikkünstler:Innen, Gmunden24dreißig, Kulturhauptstadt 2024



Das keramische Highlight der Europäischen Kulturhauptstadt 2024 bilden die INTERNATIONAL CERAMICS EXHIBITIONS. So lautet der Titel der Ausstellungsreihe, bestehend aus drei großen Ausstellungen – kuratiert von der in London lebenden Keramikexpertin Leonie Mir.
Hier werden die aufregendsten und innovativsten keramischen Objekte, Skulpturen und Installationen der ganzen Welt präsentiert. 



Die Sprache keramischer Formen reicht über sie selbst hinaus. Als geradezu universelle Kunstform ist ihr Ausdruck der von Tonkörpern; ihnen gelingt es, Kulturen und unterschiedliche Völker in und aus verschiedenen Orten, historische Epochen ebenso wie technologische Innovationen miteinander in Verbindung zu bringen. Der Beschaffenheit keramischer Kunst ist es eigen, dass die Spuren menschlicher Hände und ihrer Arbeit eine ineinandergreifende Geschichte erzählen, in der sich Alltägliches mit exklusiver Ästhetik passend zusammenfügt. Auf diese Weise tragen keramische Formen etwas Tiefgründiges in sich, das jede willkürliche Grenze überschreitet und Hände von Menschen miteinander verbindet.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zur Kulturhauptstadt Europas 2024 in der oberösterreichischen Region Salzkammergut wird in drei Ausstellungen in Gmunden eine Hommage an die tiefgreifenden Charakteristika keramischer Kunst präsentiert. Sie umfassen über 140 Jahre historischer Werkgeschichte und zeigen die aufregendsten keramischen Arbeiten einiger herausragender Künstler, die die Verwendung dieses erdigen Materials für sich gewählt haben, um die Welt zu bewegen. In den neu errichteten Pavillons inmitten des „Kunstquartiers Gmunden“ - einem Kunstpark, der derzeit in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren entsteht - werden die drei Ausstellungen als Schlüsselpunkte in einem Jahr wirken, in dem  das beeindruckende keramische Erbe Gmundens gefeiert wird. So werden die Ausstellungen nicht nur dieses Erbe in den Vordergrund stellen, sondern auch seine weitere Entfaltung in der Zukunft gewährleisten.



1. ALL ABOUT THE VESSEL


12.4. – 26.5.2024

Die erste dieser drei Ausstellungen wird im April eröffnet und läuft bis Ende Mai 2024. Unter dem Titel ALL ABOUT THE VESSEL (19. – 21. Jh.) zeigt diese historische Übersicht den Werdegang der Keramikkunst von der frühen Moderne bis zur Gegenwart. Im Rahmen der kuratorischen Vorgaben der Ausstellung bekommen die Besucher:innen Einblicke in die Entwicklung keramischer Formen, von scheinbar für den Gebrauch bestimmten Gegenständen bis hin zu außergewöhnlichsten Gefäßen, die menschliche Gefühle beherbergen, aufbewahren und über sich hinaus mitteilen können.

Zu den Künstler:innen, deren Werke hier ausgestellt werden, gehören Meister:innen der Moderne wie u.a. Pablo Picassound Fausto Melotti, innovative Pionier:innen keramischer Medien wie George E. Ohr, Lucie Rie und Miquel Barceló, sowie dynamische zeitgenössische und aufstrebende Künstler:innen wie Masaomi Yasunaga und Lindsey Mendick, die die Grenzen dessen, was Tonformen sein können, ausloten, indem sie Geschichten, konzeptuelles Denken und eben die wesentlichen Merkmale von Gefäßformen miteinander verweben.



2. ETERNAL FEMININE


21.6. – 25.8.2024

ETERNAL FEMININE wird im Sommer 2024 gezeigt. Es handelt sich nicht um eine Ausstellung über weibliche oder als weiblich zu definierende Kunstschaffende, auch nicht um festgelegte Geschlechterpositionen; sondern das „Weibliche" wird hier als eine Art göttliche Perspektive behandelt, die T. Fleischmann als etwas beschrieben hat, das „auf eine Weise Sinn macht, die wir nicht verstehen können, das schwebt". Die Ausstellung stellt somit nicht die Gestalten der Künstler:innen, sondern die Haptizität des Mediums Ton - den Körper – in den Mittelpunkt.

Sie wirft ein Schlaglicht darauf, wie die Beschaffenheit keramischer Formen sich verfestigten Erzählungen verweigern und Praktiken der Achtsamkeit und Fürsorge Gestalt verleihen kann.  Tatsächlich wird Verfahren Raum gegeben, die das erfahrbar machen können, was unter der steinigen Oberfläche einer starren soziokulturellen Geschichte liegt, die als feste Perspektive vorgegeben ist. Hier sprechen die Werke von Künstler:innen wie Seni Awa Camara und Leilah Babiryenicht nur von den dunkleren, durch binäres Denken verdrängten Seiten kultureller Geschichten, sondern bringen auch etwas Hoffnungsvolles zum Ausdruck: das Potenzial für ein Leben jenseits willkürlicher soziokultureller Positionen und Trennungen. In einer Umspannung physischer und kontextueller Geografien schweben die Exponate in dieser Ausstellung auf eine erhabene Art und Weise aufeinander zu und bringen die Besucher:innen über die immerwährende Bedeutung menschlicher Kontakte zum Nachdenken.




3. CLAY/VOLUTION


20.9. – 3.11.202

Die Türen zur letzten Ausstellung dieser dreiteiligen Feier, CLAY/VOLUTION, öffnen sich im Herbst 2024. In dieser dynamischen Gruppenausstellung geht jedeR der ausgewählten Künstler:innen an die Grenzen des keramischen Mediums und lässt es provokativ und auch politisch über sich selbst hinaus wirken. Von Lucio Fontana und seinen grotesken Schluchten über Erwin Wurm und der profanen Linie des performativen Konzeptualismus bis hin zu den radikalen Wendungen in der Tradition im Werk von Ron Nagle reicht der Spannbogen. Indem sie über die materiellen Grenzen des Tonkörpers hinausdenken, demonstrieren Künstler:innen wie Redd Ekks die sozialen Möglichkeiten und die der Keramikkunst innewohnende gemeinschaftliche Kraft. Durch die Kombination von Werken bahnbrechender Modernist:innen und innovativer zeitgenössischer Künstler:innen stellt diese Ausstellung radikales Denken, vielleicht auch Provokation in den Vordergrund, um zu vermitteln, was erreicht werden kann, wenn es gelingt, sich  vom Gefäßkorpus der formalen Geschichte einer Form zu lösen.


Parallel zu diesen drei bahnbrechenden Ausstellungen stellt 2024 ein Programm mit weiteren Veranstaltungen und Gelegenheiten das keramische Erbe von Gmunden in den Vordergrund. Mit Performances, öffentlichen Aufträgen, Entwicklungsmöglichkeiten für Künstler*innen, sowie akademischen Veranstaltungen wird das öffentliche Programm, das parallel zu den drei Ausstellungen stattfindet, nicht nur ein internationales Publikum in die Stadt locken, sondern Gmunden  in den Mittelpunkt der aufregendsten Entwicklungen in der aktuellen  Keramikkunst stellen.






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